Gnostische Meditation – 4. Mentale Disziplin

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Wie man die Konzentration vertieft

“Buddhistische Illumination wird niemals durch das Entwickeln von mentalen Kräften, aber auch nicht durch die außer-Acht-Lassung der Vernunft erreicht. Im Gegenteil, sie wird erreicht indem man alle Stränge kappt die uns an den Verstand fesseln.” – Samael Aun Weor, Die verlorene Arische Rasse

Es ist sehr wichtig für jeden Meditierenden den Prozess der Entwicklung von echter Konzentration zu verstehen. Ohne der Konzentration können wir keine wirkliche Meditation praktizieren. Es gibt ein Zitat eines sehr berühmten tibetischen Lamas, welcher dies vor ungefähr 100 Jahren gesagt hat:

“Obwohl du vielleicht so tust als ob du praktizieren würdest, du praktizierst eigentlich gar nicht wirklich, wenn du nicht weißt, was benötigt wird um einseitig ausgerichtete Konzentration zu erreichen. Du musst definitive, einseitig ausgerichtete Konzentration mit zwei Bestandteilen erreichen: großartige Vorstellungsklarheit mit einiger Stabilität, und fest verankerte Beibehaltung des Bildes oder Objekts.” – Pabongka Rinpoche, Liberation in the Palm of your Hand

Meditation beginnt bei sehr starker Konzentration und Bildklarheit. Das erste das wir also etablieren müssen ist sicherzustellen das wir verstehen was Konzentration wirklich ist – Wie wir sie entwickeln, was die verschiedenen Stufen der Entwicklung sind, die Qualitäten die diese begleiten und die involvierten Faktoren. All das ist eindeutig festgestellt und aufgezeichnet, kartiert, wir müssen nicht darüber spekulieren, sondern können präzise analysieren auf welcher Stufe wir uns mit unserer Praxis befinden. Dies ist eine der größten Irrtümer über die Meditation; viele Leute glauben sie sei etwas vages, glauben dass Meditation gleichbedeutend mit Weggetretenheit ist. Ist sie aber nicht, sie ist das Gegenteil. Bei Meditation geht es darum profunde Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit zu entwickeln. Die Natur des Bewusstseins ist es wahrzunehmenen, und wir alle besitzen Bewusstsein, was bedeutet wir alle haben die Fähigkeit Dinge wahrzunehmen. Und es gibt natürlich verschiedene Stufen des Bewusstseins. Das sind die Linien des Seins und des Lebens. Die Linie des Seins symbolisiert diese Stufen des Bewusstseins, während die Linie des Lebens einfach Zeit ist.

die zwei linien des lebens

Wir können aus dieser Grafik sofort erkennen, dass das Bewusstsein ganz und gar nicht in Verbindung mit der Zeit steht. Dies ist eine große Hürde für die meisten Menschen, da wir denken “Wenn genügend Zeit vergangen ist werde ich erwachen”, “Eines Tages werde ich ein erwachtes Bewusstsein haben”, oder eine erwachte Erfahrung, und diese Art zu denken ist ein Irrtum. Es ist nicht von der Zeit abhängig, sondern von der Entwicklung des Bewusstseins selbst, welches unabhängig von der Zeit ist, getrennt davon. Es läuft in einem komplett anderen Paradigma als die Zeit. Deshalb müssen wir jeden Moment voll ausnutzen. Jeder Augenblick des Lebens ist ein Augenblick in dem das Bewusstsein zu einem gewissen Grad aktiv ist, dadurch nehmen wir Dinge war. Allerdings, weil wir solch ein schweres Karma haben, solch große Probleme die wir selbst in unserem Geist verursacht haben, nehmen wir nur zu dem Grad unseres Bewusstseins wahr, das wir verfügbar haben. Aufgrund dessen, dass wir einen so großen Teil unsres Bewusstseins in Begierde gefangen haben, ist nur ein minimaler Teil unseres Bewusstseins frei. Das bedeutet, dass wir nur sehr wenig bewusst wahrnehmen. Die meiste Zeit nehmen unbewusst wahr. Das bedeutet wir sind die meiste Zeit in schlafendem Zustand.

In der Gnosis verstehen wir, dass wir mehr oder weniger 3% unseres Bewusstseins zur Verfügung haben. Das ist der Teil des Bewusstsein der frei ist, was nicht bedeutet, dass er automatisch aktiv ist. Er muss erst aktiv gemacht werden. Die Verbindung muss da sein, andernfalls ist er nicht aktiv. Wenn wir auf „Autopilot“ operieren ist der freie Teil unseres Bewusstseins nicht aktiv.

Die meisten Leute verbringen ihr Leben schlafend. Generell gesagt ist die Zeitspanne der Kindheit, etwa von 0 bis 5 Jahren, mehr oder weniger, der am meisten bewusste Lebensabschnitt den man in seinem Leben durchlebt. Wir alle wissen, dass das wahr ist, wir erinnern uns, dass in diesem Abschnitt unseres Lebens etwas anders war, obwohl wir es nicht erklären können, wir alle wissen es. Der Unterschied war der, dass das Bewusstsein damals noch frei und unkonditioniert war. Das Ego, der Verstand, war noch nicht in die Psyche integriert, weil es einen Abschnitt der Entwicklung gibt wenn wir aufwachsen, in der der Verstand sich graduell einnistet und das Kind sich langsam verändert. Jeder der Kinder hat, kann feststellen wie sehr sich das Kind zwischen zwei und sieben verändert. Die Persönlichkeit kann sich komplett umdrehen, eine einhundertprozentige, komplette Veränderung durchmachen, und das geschieht weil sich diese Egos Stück für Stück in die Psyche integrieren.

Das ist etwas über das wir sehr tief reflektieren und es verstehen müssen: Dass wir die meiste Zeit in Begierde gefangen leben. Das ist unsere große Hürde, und um Shamatha zu entwickeln, um Konzentration zu entwickeln, müssen wir zuerst dieses Verhältnis ändern. Der erste Schritt dessen ist die 3% die wir zur Verfügung haben zu aktivieren, und das geschieht indem man Aufmerksamkeit schenkt. Es ist ein kleiner Teil, aber wenn man zu 97% Dunkelheit hat und 3% Licht, dann hat man zumindest noch eine Kerze. Wir können uns zumindest gewissermaßen zurechtfinden. Man sieht vielleicht nicht viel, aber zumindest kann man dieses Licht sehen. Das gleiche gilt wenn wir lernen Aufmerksamkeit zu entwickeln. Ich wiederhole diesen grundlegenden Punkt ständig, weil wir, wenn wir das nicht verstehen, niemals Meditation verstehen werden. Meditation ist einfach eine Weiterführung, eine Erweiterung der Aufmerksamkeit, das ist alles. Mehr ist da nicht.

Erfahrungen in der Meditation sind Erfahrungen des Bewusstseins, das bedeutet wenn wir niemals lernen diese 3% zu aktivieren werden wir niemals lernen positive meditative Erfahrungen zu aktivieren. Wenn wir nicht lernen Aufmerksam zu sein indem wir diese 3% verwenden, dann erleben wir auch wenn wir meditieren nur Begierde, das ist alles was wir sehen werden, das ist alles was wir kennen werden. Es ist was in unserer Psyche verbleibt, dem Unterbewusstsein, dem Unbewusstsein und dem Infrabewusstsein, das heißt Begierde, Erinnerung, Geschichte, Angst, Sorge, Reue, Stolz. Also müssen wir zuallererst lernen diese drei Prozent zu aktivieren; das ist worum es bei diesen ersten vier Vorträgen wirklich geht. Wie aktivieren wir das Bewusstsein, wie schenken wir Aufmerksamkeit? Als Konzept ist das vielleicht einfach, aber etwas zu hören und es in die Tat umzusetzen sind zwei verschiedene Dinge. Man muss es tun, das Bewusstsein aktivieren, lernen präsent zu sein, lernen aufmerksam zu sein, und von dem aus kann man lernen sich dahin zu begeben was worüber wir heute sprechen werden: Wie man Konzentration vertieft.

Worüber wir in vorherigen Vorträgen gesprochen haben war, dass Meditation wirklich eine Vereinigung von zwei Elementen ist, Shamatha und Vipassana. In gnostischer Terminologie steht Shamata in Verbindung mit der Willenskraft und Vipassana mit der Vorstellungskraft.

“Der Schlüssel zur Macht findet sich in der harmonisch vibrierenden Vereinigung von Vorstellungskraft und Willenskraft.” – Samael Aun Weor, Tarot und Kabbalah

Shamata ist Konzentration aber es ist Konzentration mit der Wurzel des Begriffes „Stilles Verweilen“, mentaler Friede. Shamatha bedeutet wörtlich übersetzt „in Stabilität zu verweilen“ oder Friede. Konzentration hat also als primäres Attribut „Friedlichkeit“. Wir setzen das normalerweise nicht mit Willenskraft in Verbindung; wir denken oft, dass Willenskraft etwas sehr forsches ist. In gewisser Hinsicht ist sie das auch, weil sie eine maskuline Energie ist die sehr projizierend ist, sie drückt an, aber sie muss das ohne Begierde tun. Vorstellungskraft auf der anderen Seite ist feminin, und rezeptiv. In späteren Vorträgen werden wir im Detail über Vipassana sprechen; jetzt fokussieren wir uns auf Shamatha, Willenskraft.

Wenn sie in Harmonie und Balance sind, produzieren Willenskraft und Vorstellungskraft Samadhi. Wenn diese beiden sich in perfekter Balance zueinander vereinen dann ist Samadhi das natürliche Resultat. Also was uns das sagt ist sehr simpel: Wenn wir lernen uns mit mentalem Frieden zu konzentrieren, mit Stabilität im Geist, und wir lernen mit dem Bewusstsein positive Vorstellungskraft zu verwenden, treten wir in Samadhi ein. Das ist nicht etwas das exklusiv auf einige Menschen zutrifft. Es ist nicht etwas wofür man eine Gebühr zahlen muss, oder jemanden bezahlen muss. Es ist die natürliche Kapazität eines jeden Menschen. Natürlich müssen wir um auf das zuzugreifen die richtigen Ursachen und Konditionen hervorbringen.

Der Meditierende der lernt Willenskraft und Vorstellungskraft zu vereinen, schreitet bewusst in den inneren Dimensionen, in der Lage Bilder aus der inneren Welt wahrzunehmen, der Astralebene, der Mentalebene, der Kausalebene, etc., aus den anderen Dimensionen der Natur, sowohl superior als auch inferior. Und erneut, das ist die natürliche Kapazität eines jeden Menschen.

Die Fakten sind, wir alle verfügen über Willenskraft und können uns Dinge vorstellen. Das Problem ist, dass unsere Willenskraft in Begierde gefangen ist, und auch all unsere Vorstellungskraft ist in Begierde gefangen. Was wir uns für gewöhnlich vorstellen sind Fantasien, Tagträume. Wir tendieren dazu über unsere Begierden zu fantasieren und unsere Willenskraft zu benutzen um Begierde zu erfüllen. Das sind die 97%, und es ist sehr leicht zu sehen, dass wir alle dieses Problem haben. Deshalb ist es auch sehr einfach für uns, uns etwas lüsternes sehr klar und lebhaft vorzustellen, sehr einfach. Es ist sehr schwer für uns, uns etwas positives vorzustellen, Vorstellungskraft auf neue Art zu verwenden. Das wird zu der Herausforderung, denn nur das freie Bewusstsein kann es tun. Das Ego kann es nicht. Die Person die diese Fähigkeit entwickelt hat, hat sie dadurch entwickelt, dass sie die richtigen Ursachen und Konditionen hervorgebracht hat. Wenn ihr diese Faktoren versteht, dann könnt ihr das auch erreichen. Man wendet die Anstrengung und Disziplin auf, und jeder kann das erreichen.

Die Ursachen und Konditionen die wir bisher besprochen haben:

  • Entspannung: Wir müssen zu 100% entspannt sein.
  • Konzentration: Wir müssen lernen perfekte Konzentration zu erreichen.

Wie es jetzt ist, wenn wir versuchten zu meditieren, oder sogar während unseres täglichen Lebens hat von uns schon eine gewisse Stufe der Entspannung und Konzentration erreicht. Alles was wir tun müssen ist diese beiden Faktoren zu erhöhen, und der Weg das zu tun ist simpel: Man entfernt die Hindernisse. Wenn wir uns die beiden Linien [des Seins und des Lebens] ansehen, sehen wir viele Stufen von Bewusstsein, von Dämonen bis Engelswesen. Wir sehen zunehmende Stufen von Dichte wenn wir uns hinunterbewegen. Je höher wir sind, desto leichter, freier sind wir, je tiefer, desto dichter und schwerer. Also müssen wir uns selbst analysieren; Welche Schwere haben wir? Welche Schwere hat der Verstand den wir haben? Wie sehr sind wir an das Leben angehaftet?

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Eine Art die Linie des Seins zu betrachten, ist als die Linie der Aufopferung. Die meisten von uns glauben, dass nur die Linie des Lebens existiert, deshalb sind wir Sklaven der Begierde nach Anhäufung. Wir versuchen so viele Erfahrungen, so viel Begierde, Vergnügen, Genuss, und so viele Häuser, Autos und Boote anzuhäufen wie nur möglich. Und am Ende sterben wir und verlieren das alles.

Um höhere Ebenen in der Linie des Seins zu erreichen müssen wir Opfer aufbringen; aber was müssen wir aufopfern? Unsere Begierden. Das ist also der Anhäufung und Anhaftung direkt entgegengestellt.

Wir leben unser Leben absorbiert in den niederen Ebenen des Bewusstseins, umgeben von Elementen des „Pfades der Anhäufung“. Wovon denkt ihr handeln all unsere Medien, Werbung, Fernsehen und Filme? Anhäufung.

Die großen Erleuchteten, die Heiligen, waren offensichtlich am Leben und existierten in der zeitlichen Dimension. Sie wurden geboren, wuchsen auf, taten was auch immer sie taten und starben, aber sie schreiteten nicht auf dem Pfad der Anhäufung; diese großen Erleuchteten oder Heiligen entsagten allem von Materialismus und Begierde in ihnen.

Angenommen wir haben 30% Entspannung und 10% Konzentration (bedeutet wir sind zu 70% angespannt und zu 90% abgelenkt). Wenn wir so versuchen zu meditieren, sitzen wir da mit einem sehr aktiven Verstand. Das Resultat sind viele Gedanken, Begierden, Erinnerungen, Hoffnungen, Wünsche, und sehr wenig mentaler Friede, das heißt sehr wenig Shamatha. Und der Körper ist angespannt, steif, er vibriert, er bewegt sich, er kann nicht still sitzen. Das ist die Situation für den typischen Meditierenden wenn er oder sie beginnt.

Was die übrige Entspannung und Konzentration befreien wird ist den Anhaftungen zu entsagen. Ich werde euch ein typisches Beispiel geben: Ihr sitzt und meditiert und fühlt Schmerz in eurem Bein, ihr mögt den Schmerz nicht, aber in Wahrheit seid ihr an ihn angehaftet, weil ihr ihm eure Aufmerksamkeit schenkt, weil ihr über ihn nachdenkt, und so gebt ihr ihm Energie. Das ist die Wurzel der Anhaftung. Anhaftung kann sein „Ich mag es“ oder „Ich mag es nicht“. Entweder oder, aber es ist beides Anhaftung. Und wegen dieser Anhaftung kann es keine Entspannung geben, und weil keine Entspannung herrscht, herrscht auch keine Konzentration. Die Lösung um diese Hürde zu überwinden ist dem Schmerz zu entsagen. Entsagung in diesem Sinne bedeutet nicht ihn zu ignorieren; Ihr seht ihn, aber ihr hört einfach auf ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Und wenn ihr Eltern seid, dann habt ihr diese Fähigkeit bereits entwickelt, weil ihr sehen müsst wo eure Kinder sind, aber sie ignorieren müsst. Wahr?

Das ist etwas das jeder lernen kann. Die Wahrheit ist, dass man es wollen muss. Und der Grund warum wir unsere Konzentration und Entspannung nicht steigern können ist, dass wir unseren Gedanken, unseren Begierden, unserem Schmerz, nicht entsagen wollen. Aus irgendeinem Grund glauben wir, dass sie definieren wer wir sind. Das ist der Grund warum 99% der Leute die versuchen zu meditieren nicht sehr weit kommen, weil sie nicht willens sind Illusion zu entsagen.

Das sind Illusionen des Intellekts, Illusionen des Herzens, und Illusionen des Körpers. Sie alle sind in Sensation verwurzelt, sie sind in Bildern verwurzelt, aber die Bilder der Fantasie. Erinnerungen sind Fantasie. Träume über die Zukunft sind Fantasie. Der Großteil von allem was durch unsere Psyche wandert sind Lügen, ganz einfach gesagt Lügen. Und trotzdem glauben wir diese Lügen, wir bleiben an diesen Lügen angehaftet, und deshalb können wir nicht meditieren. Diese grundlegende Wahrheit kann nicht genug unterstrichen werden. Wenn ihr versteht wie sich dieses Konzept auf eure Praxis auswirkt, werdet ihr sie grundlegend verändern. Ihr werdet sie revolutionieren, weil ihr dann während ihr meditiert und Gedanken, Gefühle und Sensationen aufkommen, begreifen werdet: „Das sind Lügen.“ Und darin liegt der Schlüssel ihnen zu entsagen, ihr könnt dann sagen: „Ich bin nicht diese Gedanken. Ich bin nicht diese Gefühle. Ich bin nicht diese Sensationen, das sind Illusionen. Sie sind alle impermanent und vergänglich.“ Und von dieser Basis werdet ihr rapiden Fortschritt machen. Die Wurzel von alledem ist natürlich Willenskraft, die Willenskraft Opfer darzubringen.

Wie wir in der Gnosis verstehen ist das Gesetz des Christus die Aufopferung. Eins zu werden mit dem Christus bedeutet den Geist der Aufopferung zu verkörpern. Diese Aufopferung ist die Entsagung der Sensationen. Nur dem materiellen Objekt zu entsagen ist sinnlos solange wir es in unseren Herzen und unserem Verstand immer noch begehren. Echte Aufopferung bedeutet alle Stränge im Verstand zu kappen.

Wenn wir das verstehen und beginnen es anzuwenden, werden wir Veränderungen in der Tiefe unserer Konzentration zu sehen. Wir können beginnen zu sehen wie unsere Fähigkeit Aufmerksamkeit zu schenken sich verändert. Das sind die Qualitäten des Bewusstseins die beginnen sich zu adjustieren und anders zu werden.

Shamatha: Friedvolles Verweilen

Es gibt eine sehr verbreitete Grafik in der Lehre des Mahayana Buddhismus, welche die Stufen der Entwicklung von Shamatha beschreibt. Es gibt neun Hauptstufen.

Lasst euch von dieser Grafik nicht überwältigen, und stempelt sie nicht als „intellektuell“ ab. Sie ist eine Lehre des Buddha Maitreya die ganz einfach einen Rahmen bietet um die verschiedenen Stufen der Konzentration zu verstehen, und wie man auf ihnen voranschreitet, wie man in seiner Praxis tiefer geht. Das hier präsentierte Wissen ist tatsächlich sehr simpel und intuitiv.

 

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Wenn wir beginnen Meditation zu praktizieren, starten wir auf dem Boden der Grafik, auf Stufe 0: Wilder Verstand/Geist [0; Wild Mind]; Wenn wir nichts über Meditation und über Aufmerksamkeit wissen, nichts über das Bewusstsein wissen, und durch das Leben schreiten wie die meisten Menschen, was bedeutet wir haben überhaupt gar keine Kontrolle über unseren Geist. Stattdessen werden wir von unserem Verstand kontrolliert. Und wahrscheinlich haben die meisten von uns immer noch genau diese Situation. Wenn wir uns also in den ersten Anfängen der Meditation befinden, dann haben wir einen Geist der wild ist, ganz und gar macht was er will, chaotisch ist. Es herrscht überhaupt keine bewusste Kontrolle. Diese Art von Person versteht nicht, was Aufmerksamkeit ist und wie man sie verwendet. Und die Person die unter diesem wilden Verstand leidet, sieht einen komplett chaotischen Strom im Geist. Natürlich glaubt niemand der unter diesen Zustand leidet, dass er ihn hat. Sie fühlen sich sehr normal und glauben, dass das „denken“ das ständig läuft ihr wahres Selbst, ihre wahre Identität sei. Jeder der unter dieser Kondition leidet glaubt, es sei alles in Ordnung. Sie leiden, und wissen nicht warum.

Wenn jemand beginnt irgendeine Art von Gnosis zu studieren, ob man es nun Gnosis nennt oder anders, ich meine die authentische Lehre des Erweckens des Bewusstseins, dann hört derjenige die Lehre. Das ist also die erste Stufe die man auf der rechten Seite der Grafik sieht, die Lehre zu hören. [Hearing the teachings]. Die Macht und der Einfluss dessen, bringt schon eine Veränderung hervor. Und jede authentische Lehre ermutigt den Schüler dazu auf zu lernen wie man meditiert, wie man aufmerksam ist. Normalerweise beginnen sie damit, Ethik und Moralität beizubringen, welche einen Weg darstellen sich selbst zu beobachten, um diese Regeln nicht zu brechen. Wenn man tiefer geht, lernt man worum es dabei eigentlich geht, und wie man seine Aufmerksamkeit platziert.

Den Geist beruhigen [1]

Also, der beginnende Meditierende, welcher die Lehre nun gehört hat, probiert Meditation zu praktizieren (Konzentrationsübung) und erfährt die erste Stufe von Shamatha, welche man als „Platzierung“ oder „den Geist beruhigen“ [1, Placement] bezeichnen kann. Was das bedeutet ist, dass die Person lernt die Aufmerksamkeit auf eine Sache zu fokussieren, aber sie schafft es nicht. Wahrscheinlich stimmen die meisten von uns zu wenn ich sage, dass wir uns hier befinden. Wir fokussieren uns auf etwas, dann verlieren es, fokussieren uns erneut, verlieren es wieder… tausend Mal. Aber auch nur, wenn wir uns überhaupt daran erinnern es zu tun. Viele Menschen auf dieser Stufe setzen sich zum Meditieren hin und sind für etwa 15 Sekunden konzentriert, und die nächsten 10 oder 15 Minuten träumen sie; sie vergessen komplett, dass sie da sind um zu meditieren. Vielleicht erinnern sie sich am Ende daran, dass sie eigentlich meditieren wollten, aber die meiste Zeit träumen sie einfach.

Manche werden zu ihrem Instruktor gehen und sagen, „Diese Übung funktioniert bei mir nicht, mein Verstand wird nur noch schlimmer, ich habe mehr Gedanken, er ist außer Kontrolle. Ich muss aufhören diese Übung zu praktizieren, sie schadet mir.“ Die meisten Schüler machen diese Erfahrung. Das bedeutet einfach, dass der Schüler es richtig macht. Sie beginnen die Wahrheit über ihren eigenen Verstand zu sehen, und er ist außer Kontrolle. Das ist ein natürlicher Schritt. Jeder macht diese Erfahrung; der Geist scheint komplett verrückt zu sein, er ist in Chaos versunken.
Um über diese Stufe hinauszugehen, braucht der Schüler die Tugend die rechts aufgelistet ist: Die Lehre zu hören. Der Schüler muss studieren, lernen, begreifen.

Kontinuierliche Platzierung [2]

Wenn jemand in der Lage ist beharrlich zu bleiben und mit seiner Praxis fortzufahren, kann er tiefer gehen. Die nächste Stufe nennt sich Kontinuierliche Platzierung [2, Continual Placement]. Auf dieser Stufe wird der Schüler etwas konsistenter. Es gibt kurze Perioden von Kontinuität und sie dauern nicht sehr lange, vielleicht einige Sekunden, vielleicht dreißig Sekunden oder eine Minute. Diese Perioden werden aber unterbrochen von Perioden in denen man von Gedanken, Gefühlen, Fantasien, Sorgen etc abgelenkt ist. Das ist die zweite Stufe.

Auf dieser Stufe wird der Geist nun gespalten zwischen Ablenkung und dem Meditationsobjekt.

Die Qualität dieser ersten beiden Stufen ist so, dass der Schüler eine extrem starke Kontrolle über die Aufmerksamkeit ausüben muss, sehr entschlossen und streng. Das ist mit „Streng fokussierter Kontrolle oder anbindende Ausrichtung“ gemeint [Tightly Focused Control or Engagement]. Dies benötigt sehr viel Energie. Es ist erschöpfend und es kann frustrierend sein.

Um tiefer zu gehen, um eine bessere Kontinuität der Konzentration zu erreichen, braucht der Schüler die rechts aufgelistete Tugend; die Lehre kontemplieren [Contemplating the Teachings]. Das bedeutet, der Schüler sollte lernen die Lehre im täglichen Leben anzuwenden, das Wissen wirklich ein Teil seines Lebens werden lassen. Das beinhaltet tiefergehend zu studieren, durch Meditation, Diskussion, durch Praxis.

Es ist offensichtlich, dass als wir durch diese Stufen schreiten, jede Stufe ihre Hürden hat. Und jedes Mal wenn wir eine dieser Hürden ansteuern bedeutet dass, das ein Teil der Schüler sie nicht überwinden wird. Wenn wir also die zweite Stufe erreichen, haben wahrscheinlich schon 50% der Leute die versuchten zu lernen zu meditieren aufgeben. Das ist eine Schätzung, es könnte mehr sein. Man braucht Willenskraft. Nochmals, dies ist Entwicklung von Shamatha, was pure Willenskraft ist, es ist einfach Konzentration. Jede Stufe beinhaltet irgendeine Art von Entsagung, etwas das wir in unserem Verstand aufopfern müssen.

Lückenhafte Platzierung [3]

Die nächste Stufe nennt sich lückenhafte Platzierung [3, Patch-like Placement] weil der Schüler in dieser Stufe mehr dazu in der Lage ist zu erkennen, dass er die Meditation verliert. Wenn jemand Shamatha bis zur dritten Stufe entwickelt hat, ist er in einen Zustand gekommen in dem er beginnt zu erkennen, dass er abgelenkt wird, und sich selbst zu seiner Meditation zurückbringt. Das bedeutet, dass der Zeitraum der Ablenkung kleiner, und der Zeitraum der Konzentration größer wird.

Auf der dritten Stufe beschäftigt sich der Geist hauptsächlich mit dem Konzentrationsobjekt, d.h. die meiste Zeit, den Großteil der Zeit. Es könnten 75% der Zeit sein, oder mehr. Die meiste Zeit ist der Schüler in der Lage auf das Konzentrationsobjekt fokussiert zu bleiben. Erneut, um das zu erreichen benötigt man ganz einfach Anstrengung. Es ist nicht eine Frage der Zeit, sondern eine Frage der Entsagung.

Lasst mich euch nun ein weiteres Beispiel geben wie das funktioniert. Nehmen wir an, wir sind sehr an unseren Kontostand angehaftet, und wollen sicherstellen, dass wir immer mindestens 2000€ auf dem Konto haben, aber jetzt gerade haben wir es nicht. Also haben wir Gedanken darüber; „Was mache ich nur, Ich muss sicherstellen dass ich Geld verdiene, Ich muss mehr arbeiten, Ich sollte etwas verkaufen“, etc. Wenn man den ganzen Tag so grübelt, dann werden diese Gedanken auch fortfahren wenn man sich Abends hinsetzt um zu meditieren, weil man sie den ganzen Tag mit seiner Energie gefüttert hat. Sie werden nicht einfach aufhören wenn man bereit ist zu meditieren. Sie werden weiterlaufen, tatsächlich wird es sogar so aussehen als würden sie intensiver werden. Um tiefer zu gehen und mehr Konzentration aufzubauen, wird man der Gewohnheit entsagen müssen während des Tages so zu grübeln. Es ist simpel. Hör auf den ganzen Tag darüber nachzudenken und es wird kein Störfaktor mehr sein wenn du meditierst.

Das mit allen Themen in eurem Leben zu tun benötigt sehr viel Disziplin, und deshalb trägt dieser Vortrag den Namen „Mentale Disziplin“. Es ist die Disziplin dem Verstand zu entsagen, dem Denkprozess zu entsagen, dem Tagträumen zu entsagen, dem Fantasieren zu entsagen, dem Grübeln zu entsagen. Das alles ist eine Verschwendung von Energie. Und wenn wir wirklich aufrichtig sind in dem wie wir uns observieren, werden wir erkennen, dass die meisten unserer Gedanken dieselben Gedanken sind die wir gestern hatten, und den Tag davor, und den Tag davor, etc. Also warum fahren wir so stur damit fort uns über die gleichen Dinge zu sorgen? Weil wir Angehaftet sind.

Der Schüler der daran arbeitet tiefer zu gehen, von der 3. zu der 4. Stufe von Shamatha, benötigt die Tugend der Gewahrsamkeit [Mindfulness]. Wie wir vorher besprochen haben, ist das die Fähigkeit kontinuierliche Aufmerksamkeit während des Tages und während der Meditation zu halten. Das ist Selbst-Observation.

Nahe Platzierung [4]

Die nächste Stufe nennt sich nahe Platzierung [Close Placement, 4]. Es trägt diesen Begriff weil der Meditierende eine neue Art des Sehens erfährt. Es ist subtil. Das Gefühl der Trennung zwischen dem Observierenden dem Observierten verändert sich. Es bedeutet auch, dass der Schüler tiefer in ein neues Niveau der angebundenen Ausrichtung (engl. Engagement, schlecht übersetzbar) vordringt. Auf der 3. Und 4. Stufe hat man unterbrochenen Fokus. Das bedeutet einfach, dass es einfacher wird seine Aufmerksamkeit auf dem gewählten Objekt zu halten. Die Konzentration wird immer noch unterbrochen, aber sie ist nicht mehr eng kontrolliert. Es wird möglich sich etwas mehr zu entspannen und aus dieser Entspannung entsteht eine intensivere Nähe zu dem Objekt auf das wir uns konzentrieren. Die Konzentration ist schärfer, eindringlicher. Sie ist nicht perfekt, aber schärfer, eindringlicher. Der Geist ist stabiler.

Was diese Stufe von den vorhergehenden unterscheidet ist, dass der Verstand, stabil geworden, nicht mehr so ablenkend agiert wie zuvor, sodass der Meditierende das Meditationsobjekt nie verliert. SCHLÜSSELPUNKT: Um den vierten Grad von Shamatha zu etablieren, verliert der Meditierende nie das Objekt der Meditation.

Erinnern wir uns, dass wir bei der vierten Stufe angelangt sind, es gibt aber insgesamt neun Stufen der Konzentration. Auf dieser Stufe wurden eine große Anzahl kleiner Ablenkungsfaktoren komplett entfernt. Das bedeutet, dass die Person die diese Stufe erreicht versteht was Selbst-Erinnerung ist. Der einzige Weg wie ihr diesen Grad von Konzentration zu erreichen könnt, ist in der Lage zu sein euch den ganzen Tag lang zu konzentrieren. Man muss eine gewisse Stufe der Selbst-Erinnerung erreicht zu haben um diese Stufe von Shamatha, die nahe Platzierung, zu erreichen. Und was ist die benötigte Macht um über die 4. Stufe hinauszugehen? Man muss daran arbeiten die Selbst-Observation und Selbst-Erinnerung zu erweitern und zu vertiefen.

Bändigen [5]

Nun, tiefergehend, haben wir die Stufe gennant „Bändigen“ [Subduing, 5]. Das bedeutet, dass wir beginnen den Verstand oder die Ablenkung zu bändigen, sie uns untertan zu machen. Auf dieser Stufe ist der Meditierende entschieden konzentriert und vergisst nicht mehr, dass er meditiert. Trotzdem muss er die Kontinuität seiner Aufmerksamkeit und seiner Gewahrsamkeit weiter verbessern. Das ist ein sehr interessanter Zeitpunkt. Angenommen wir meditieren über ein Bild eines Buddhas; der Meditierende ist in der Lage das Objekt zu observieren ohne es jemals zu verlieren. Es gibt keine Ablenkung die stark genug ist um ihn von diesem Objekt abzubringen. Auf dieser Stufe wird der Fokus nicht mehr hauptsächlich das Objekt selbst, sondern wie man seine Aufmerksamkeit darauf lenkt. Es passiert also eine Umschaltung. Die Fähigkeit das Objekt perfekt im Fokus zu behalten wurde bereits etabliert, nun observiert man wie man es observiert. Das ist tiefere Selbst-Erinnerung, tiefere Stufen der Aufmerksamkeit und der Konzentration. Es ist etwas das auf natürliche Weise auftritt wenn wir die Ablenkungen entfernen. Indem wir das tun lernen wir die Klarheit der Meditation zu erhöhen.

Auf dem ganzen Weg existiert fortwährend so viel Ablenkung, so viel Vernebelung im Geist, dass die Arbeit von hier aus daraus besteht, die Klarheit und die Stabilität zu erhöhen und sie zu perfektionieren. Das ist also was auf den nächsten vier Stufen passiert: Stufe 6 ist „Frieden schaffen“ [Pacifying, 6], erneut die Kontrolle der Ablenkungen zu erhöhen, subtilere Formen der Ablenkungen zu entfernen. Die nächste Stufe ist „vollkommen in Frieden bringen“ [Fully Pacifying]. Stufe Acht ist der perfekte, einseitig ausgerichtete Geist. Neun ist Shamatha, was perfekter Gleichmut (engl. equanimity) ist.

Vollkommen in Frieden bringen [7]

Auf Stufe 7, „vollkommen in Frieden bringen [7, Fully Pacifying], ist man in der Lage alle Formen von Ablenkungen zu erkennen bevor sie auftauchen. Das benötigt eine extrem eingedrungene, scharfe Konzentration. Im Grunde bedeutet es, dass der Meditierende Gedanken wahrnimmt bevor sie auftauchen. Es ist schwer zu verstehen, aber wenn man diese Stufe erreicht, ist es da, es ist real. Es gibt noch einige Störungswellen, und während man observiert, fühlt man sie und ist in der Lage die Ablenkungen zu kappen bevor sie die Meditation stören. Das ist also ein sehr erhabener Grad der Konzentration, doch er ist noch immer nicht perfekt.

Einseitig ausgerichtete Anwendung [8]

Wenn das alles etabliert wurde, erreicht der Meditierende die Einseitig ausgerichtete Anwendung [Single Pointed Application, 8]. Das bedeutet, dass da nun ein einseitig ausgerichteter Geist ist, aber er ist immer noch nicht perfekt, weil es immer noch etwas Anstrengung benötigt um ihn aufrechtzuerhalten. Es gibt immer noch einige sehr subtile Grade von Störfaktoren oder Ablenkung. Wenn das gesehen und anerkannt wurde, bewegt sich der Meditierende von Natur aus auf die neunte Stufe, welche perfekte Konzentration ohne Anstrengung ist. Hierin liegt etwas Ironie. Die allerhöchste Stufe der Konzentration ist wirklich der allerhöchste, eminenteste Grad der Willenskraft, und erfordert doch keine Anstrengung. Das lehrt uns etwas wahrhaftig profundes: Dass authentische Willenskraft anstrengungslos ist. Und wenn man über die großen Meister und Lehrer reflektiert, sieht man, dass sie in ihren wichtigsten Momenten unglaubliche Willenskraft beweisen, aber dies ohne jegliche Anstrengung tun. Das ist die natürliche Manifestation des Bewusstseins.

Vier Stufen des Engagements

(bzw. angebundener Ausrichtung) [Degrees of Engagement]

Auf der Grafik sind vier Stufen des Engagements aufgezeichnet, was hilft diese verschiedenen Stufen besser zu verstehen. Das ist die mittlere Spalte. Beginnend auf der untersten Stufe, normales Leben; bedeutet wir haben keine Kontrolle, sind uns nicht gewahr wie man Aufmerksamkeit kontrolliert. Wir wandeln umher, hin und her geworfen von dem Leben, von Karma. Wenn wir ein bisschen etwas über die Lehren erfahren, beginnen wir zu lernen Aufmerksamkeit zu schenken, wir lernen streng fokussierte Aufmerksamkeit, was bedeutet, dass wir sehr viel Kraft in die Anstrengung Aufmerksamkeit zu schenken stecken müssen. Das bedeutet wir brauchen sehr viel Disziplin und sehr viel Willenskraft um das wirklich zu entwickeln. Wir müssen sehr, sehr streng mit uns selbst sein, sehr rigoros, und alles daran setzen konzentriert zu bleiben, während des ganzen Tages und in jeder Praxis. Als wir aber weiter aufsteigen, wird die Konzentration leichter, natürlicher. Das ist eine weitere Art seine eigene Tiefe der Konzentration zu messen; in sich selbst zu observieren wie viel Anstrengung nötig ist um perfekte Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, und aufrichtig zu sein. Es benötigt Willenskraft und Anstrengung. Wir müssen aufrichtig und ehrlich sein, und unsere Energie richtig verwenden, um unsere Praxis richtig zu entwickeln.

Wir können nicht erwarten irgendetwas zu erreichen, wenn wir das nur 10 Minuten am Tag machen. Man wird nichts erreichen. Man wird für lange, lange Zeit an seinem Rad drehen. Man muss kontinuierlich Anstrengung aufwenden, seine Aufmerksamkeit unter Kontrolle zu bringen. Am Anfang fühlt sich das an als würde es unser Leben überwältigen, uns aus der Bahn werfen, und in gewisser Hinsicht ist es auch so. Wie wir unsere Aufmerksamkeit kontrollieren muss zur wichtigsten Sache die existiert werden. Und von dieser Basis aus, graduell, entspannt man sich. Stück für Stück wird es spontan und man muss sich keine Sorgen mehr darüber machen, es passiert von Natur aus, ganz einfach. Aber das kommt nur durch Anstrengung.

Die benötigte Tugend [The power needed]

Die Letzte Spalte auf unserer Grafik nennt sich „die benötigte Tugend (bzw. Macht, Kraft). Und was das bedeutet ist dass dies die Tugenden sind die man benötigt um diese Ebenen der Konzentration zu erobern. Ganz unten steht „Die Lehre hören [Hearing the Teachings]“. Am Anfang ist das wirklich das wichtigste, man muss wirklich studieren, lernen, und die Praktiken sehr gut verstehen. Man muss hören, studieren und lesen, und auf seine Lehrer hören, und die Instruktionen begreifen. Aber um tiefer zu gehen müssen wir sie wirklich kontemplieren, über sie nachdenken, sie in unser Leben integrieren. Und das ist die nächste Stufe.

An einem gewissen Punkt ist keine Denkarbeit mehr zu tun, man hat die Sache verstanden und muss beginnen seine Arbeit zu machen. Viele Leute bleiben darin stecken über die Lehre nachzudenken und gehen nie weiter als das. Es ist sehr häufig in dieser Kultur. Das muss überwunden werden. Es gibt einen Punkt der Entwicklung den jeder Schüler überwinden muss, und das ist vom nachdenken über die Lehre zum leben der Lehre zu kommen. Und die Lehre zu leben benötigt kein Denken, kein grübeln, man handelt einfach. Das ist die nächste Stufe, Gewahrsamkeit [Mindfulness]. Um durch die Unterbrochene Anbindung [Interrupted Engagement] zu schreiten, um die Konzentration durch diese Stufen wirklich zu vertiefen, muss man seine Gewahrsamkeit (engl. mindfulness) erhöhen. Wir müssen uns gewahr werden was wir machen, denn in diesen Graden, diesen Stufen, ist was typischerweise passiert, dass der Meditierende vergisst dass er meditiert, er wird abgelenkt und vergisst. Alles was man also tun muss ist zu lernen Aufmerksamkeit zu schenken und sich zu erinnern, dass man meditiert.

Ihr müsst während des Tages konzentrierter werden, ihr müsst von Moment zu Moment eure Aufmerksamkeit darauf lenken was ihr tut, und nur eine Sache auf einmal tun. Und von dieser Basis aus wird sich eure Meditation von Natur aus vertiefen, eure Konzentration wird sich vertiefen.

Am Anfang könnt ihr den Verstand selbst für diese Aufgabe verwenden; Wenn der Verstand nicht von alleine ruhig wird, mache ihn sich darauf fokussieren was du gerade tust, indem du deine Handlungen in Gedanken identifizierst. Wenn du das Geschirr abwäschst, denke: „Ich wasche das Geschirr ab, Ich wasche ein Teller ab, Ich wasche eine Schüssel ab, Ich wasche eine Gabel ab…“. Das kann helfen sich dazu zu entwickeln das ganze ohne Gedanken zu tun. Nach einigem Üben wird man handeln ohne zu denken, aber mit perfekter Bewusstheit. Keine Gedanken. Nur Gewahrsamkeit. Das ist die Macht die einem erlaubt noch tiefer zu gehen, diese Praxis bringt einen tiefer.

Konzentration und Kabbalah

IMG_0436All die Stufen von Shamatha korrespondieren zu der Linie des Seins. Sie sind allerdings nicht die gesamte Karte der Selbstverwirklichung des Seins. Shamatha [9] zu erreichen ist ein Baby-Schritt. Über diese Grafik hinaus gibt es viele Stufen. Sie sind auf dem Lebensbaum aufgezeichnet. Die Linie des Seins ist in der Mitte des Lebensbaums. Die mittlere Spalte ist die Spalte des Bewusstseins, die Spalte des Equilibriums. Equilibrium als 9. Stufe von Shamatha ist in Tiphereth; Die Macht von Tiphereth ist Willenskraft. Das ist die menschliche Seele, Tiphereth, und diese Energie ist die Energie der Willenskraft.

Die Essenz die wir haben, das freie Bewusstsein, ist ein Funke von Tiphereth, der menschlichen Seele. Die Konzentration zu vertiefen und die Selbst-Erinnerung zu etablieren bedeutet, die Präsenz des Monads in uns zu bemächtigen. Die grundlegende Natur der Essenz ist es, sich ihrer Selbst zu erinnern, aber der Verstand kommt dazwischen und stört das.

Wie wir besprochen haben, Willenskraft und Vorstellungskraft perfekt vereint produzieren Samadhi. Und das ist was wir brauchen; wir brauchen die Erfahrung von Samadhi um die Willenskraft zu entwickeln der Illusion zu entsagen. Samadhi ist die Erfahrung dessen was real ist. Es ist etwas, auf das jeder zugreifen kann wenn die Ursachen und Konditionen da sind. Und diese Erfahrung tritt von Natur aus auf, wenn Shamatha und Vipassana perfekt vereint sind.

Ihr müsst beides zur gleichen Zeit entwickeln. Viele Schulen machen den Fehler, nur eines der beiden beizubringen, und so erfahren die Schüler vielleicht etwas mehr Frieden, sie haben vielleicht ein bisschen Verständnis, aber sie werden nie die ganze, komplette Erfahrung von Samadhi entwickeln.

Der wilde Verstand ist sehr tief verwurzelt. Er ist das, was Klipoth genannt wird, die inferioren Welten (der invertierte Baum unter Malkuth). Das ist der stürmende Verstand den wir alle haben. Und es ist wichtig zu verstehen, dass selbst wenn jemand die Entwicklung von sehr starker Konzentration erreicht hat, das nicht bedeutet, dass er den Verstand selbst entfernt hat. Die Dämonen können sich auch sehr gut konzentrieren; so vollführen sie ihre schwarzmagischen Werke; Durch Willenskraft und Vorstellungskraft vereint, aber unter der Kontrolle von Begierde. Sie stärken das Ego statt dem Bewusstsein.

Der Schlüssel zur Macht ist also, wie Samael Aun Weor sagte, die Vereinigung von Willenskraft und Vorstellungskraft, Imagination. Der gleiche Schlüssel wird verwendet um gute und schlechte Handlungen zu vollbringen. Die Frage ist wie wie wir es verwenden.

Das ist also das Ziel des Entwickelns von Meditation: Die Kapazitäten zu entwickeln die wir alle in uns haben.

Effektive Meditation

Erfahrungen zu machen und Konzentration zu entwickeln sind gute Dinge, aber sie entfernen nicht die Ursachen des Leidens. Die Entfernung dieser Ursachen kann nur durch den Einklang von Shamatha und Vipassana mit der Essenz erreicht werden, denn diese Elemente produzieren Verständnis, was Samadhi ist. Und das ist was wir in den nächsten Kursen studieren werden. Lasst euch also nicht täuschen; Konzentration zu entwickeln ist sehr wichtig, es ist notwendig, aber die Wahrheit ist, dass echte Veränderung erst beginnt, wenn wir das Ego in der Meditation begreifen können, und dieses Begreifen, dieses Verständnis, resultiert durch die Vereinigung von Vorstellungskraft und Willenskraft unter der Führung unseres eigenen inneren Seins.

Jeder Schüler kann beginnen mit der Vipassana-Technik zu arbeiten die wir in Kürze analysieren werden, aber die wirklich effektive Verwendung der Praxis des Begreifens [Comprehension Practice] beginnt mit stabilisierter Konzentration. Um effektiv zu meditieren sollte man die Stufe der nahen Platzierung [4, Close Placement] erreicht haben, und in der Lage sein niemals zu vergessen dass man meditiert, um Verständnis zu erreichen. Damit soll nicht gesagt sein, dass vor dieser Stufe kein Verständnis auftritt; Verständnis beginnt, sobald wir das Bewusstsein auf positive Weise verwenden. Aber um willentlich Verständnis in der Meditation zu erlangen braucht man einen gewissen Grad an Konzentration. Man muss zumindest in der Lage seine Aufmerksamkeit kontinuierlich zu fokussieren, nicht zu vergessen. Wenn man dauernd vergisst dass man meditiert, werden einem die weiterführenden Methoden nicht sehr viel helfen. Man kann die Ablenkung bekämpfen um zu seinem Objekt zurückzukehren, solange man sich daran erinnert dass man meditiert. Aber viele Leute erinnern sich am Anfang nicht einmal daran, dass sie meditieren. Sie sitzen da und 20 Minuten später denken Sie: „Oh warte, Ich hätte meditieren sollen – naja.“ Wenn ihr euch auf diesem Niveau befindet, müsst ihr eure Konzentration vertiefen. Arbeitet fortwährend, konsistent mit den Übungen zur Vertiefung der Konzentration.

Lasst mich euch ein Beispiel nennen: Ihr fahrt mit dem Auto. Es ist schwierig das mit perfekter Aufmerksamkeit zu tun, weil es irgendwie langweilig ist. Normalerweise wenn wir mit dem Auto fahren, fantasieren wir, tagträumen wir, wir haben einen Radio laufen, trinken ein Getränk, oder halten sogar eine Konversation zu gleichen Zeit. Vielleicht sind wir sogar zur gleichen Zeit an unserem Mobiltelefon. Also haben wir viele Aktivitäten. Und wir denken: „Naja, ich fahre, es gibt ja sonst nichts zu tun.“ Das ist ein Fehler. Wir müssen lernen nur eine Sache auf einmal zu tun, einer Sache auf einmal Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn wir mit dem Auto fahren, dann fahren wir, und das ist alles. Ihr werdet herausfinden, dass eurer Verstand das hasst. Er wird euch eine sehr schwierige Zeit bereiten. Ihr werdet nicht glauben, welche Argumente der Verstand aufbringen kann und wie clever er ist um sich zu rechtfertigen. „Ich weiß wie ich meine Aufmerksamkeit benutze, ich kann ja wohl das Radio anlassen.“, „Ich kann mich gut konzentrieren, also kann ich mein Mobiltelefon benutzen, ich muss diesen Anruf machen.“, etc.

Der Verstand will uns glauben machen, „es sei nichts“. Aber es sind diese kleinen Dinge die unsere Versklavung an den Verstand erhalten. Die kleinen Dinge. Und das wird immer wahrer je mehr man seine Praxis vertieft. Die Störungen werden subtiler. Und der Verstand wird schlauer, es wird nicht einfacher, er wird einfach schlauer. Der beste Weg das zu überwinden ist also zu lernen nur eine Sache auf einmal zu machen, runterzuschalten. Wenn wir gehen, gehen wir. Wenn wir essen, essen wir. Wenn wir über ein Problem nachdenken müssen, dann denken wir darüber nach, treffen eine Entscheidung und lassen es los. Ehrlich gesagt muss niemand von uns den ganzen Tag lang über ein Problem nachdenken. Um ein Problem zu lösen müssen wir einmal darüber nachdenken, zu einer Lösung kommen, und das wars. Und wenn wir es durchdacht haben und es keine Lösung gibt, dann gibt keinen Grund weiter darüber nachzudenken. Und wenn es eine Lösung gibt, haben wir keinen Grund weiter darüber nachzudenken, wir müssen es einfach lösen, wir müssen es einfach tun. Und keiner von uns scheint das zu realisieren. Also grübeln und grübeln wir, und träumen, fantasieren, „Sollte ich es so machen, oder vielleicht so, aber was wenn das und das, oder vielleicht sollte ich diese und jene Person fragen“… Es ist Zeitverschwendung, es ist eine riesige Ablenkung, und eine große Hürde bei der Entwicklung von Konzentration.

“Man fragte den Meister Bokujo: „Müssen wir uns nicht täglich anziehen und essen? Wie können wir dem entkommen?“
Der Meister antwortete: „Wir essen, wir ziehen uns an.“
„Ich verstehe nicht.“, sagte der Schüler.
„Dann ziehe dich an und esse.“, sagte der Meister.

Genau das ist Handlung frei von Gegensätzen: Essen wir, ziehen wir uns an? Warum daraus ein Problem machen? Warum über andere Dinge nachdenken wenn wir essen oder uns anziehen?

Wenn du isst, esse; Wenn du dich anziehst, ziehe dich an, und wenn du auf der Straße gehst, gehe, gehe, gehe, aber denke nicht an etwas anderes. Tue nur was du tust. Laufe nicht vor den Fakten davon; Fülle sie nicht mit so vielen Bedeutungen, Symbolen, Predigen und Warnungen. Lebe sie ohne Allegorien, mit einem rezeptiven Geist von Moment zu Moment.

Verstehe, dass ich von dem Pfad der Handlung spreche, frei von dem schmerzvollen Kampf der Gegensätze.

Ich spreche von Handlung ohne Ablenkungen, ohne Ausflüchte, ohne Fantasien, ohne jegliche Art von Abstraktionen.
Verändere deinen Charakter, geliebter Schüler, verändere ihn durch intelligente Handlung, frei von dem Kampf der Gegensätze.

Wenn die Türen der Fantasie geschlossen sind, erwacht das Organ der Intuition.

Handlung frei von dem Kampf der Gegensätze ist intuitive Handlung, vollkommene Handlung; und wo Vollkommenheit herrscht, ist das „Ich“ abwesend.

Intuitive Handlung führt uns an der Hand in Richtung der Erweckung des Bewusstseins.” – Samael Aun Weor, Die Revolution der Dialektik

Antworten auf diverse Fragen

Frage: In den Ebenen eins bis drei, ist es gewöhnlich sich vom Üben erschöpft zu fühlen?

Antwort: Ja. Aber warum ist es gewöhnlich? Wir werden erschöpft weil die Essenz schwach ist. Wir sind nicht daran gewohnt das Bewusstsein zu verwenden. Das ist eine sehr schockierende Wahrheit wenn man sich ihr in sich selbst stellt. Die Tatsache, dass wir es nicht verstehen unser eigenes Bewusstsein verwenden ist wirklich schade, bemitleidenswert, eine Schande. Aber, glücklicherweise haben wir immer noch die Möglichkeit das zu verändern, und zu lernen es zu verwenden. Am Anfang also ist das Bewusstsein schwach. Wir müssen es stetig, kontinuierlich zum wachsen bringen, mit Geduld, indem wir lernen uns Selbst zu beobachten, und unsere Aufmerksamkeit zu konzentrieren.

Wir sind auch erschöpft weil wir die Energie des Verstandes verschwenden. Manchmal kann Meditation sich erschöpfend anfühlen, und es ist meistens weil wir den Verstand mit dem Verstand bekämpfen. Es kommt auf die Art unserer Persönlichkeit an. Wir tendieren dazu ein psychologisches Gebrechen zu haben. Wir sehen das Leben durch eines dieser Zentren, eines der drei Gehirne. Wir tendieren dazu die meiste Energie durch eines von ihnen zu verschwenden. Westliche Leute, selbst wenn sie ein emotionaler Typ sind, verschwenden enorme Energie durch das Denken. Aber sie denken vielleicht über ihre Gefühle nach. Sie haben diese emotionelle Disposition, aber sie verschwenden Energie durch Gedanken, durch Emotion, und durch Handlungen.

Das ist der andere Teil von Entsagung. Wenn man dem entsagt über etwas nachzudenken, ist tatsächlich was man tut zu sagen „Ich werde nicht weiter Energie an diesen Gedanken verschwenden. Ich brauche diese Energie um mein Bewusstsein zu erwecken. Ich kann es nicht brauchen Energie zu verschwenden indem ich darüber nachdenke zum Baumarkt zu gehen. Der Baumarkt will meine Energie, das ist sicher. Sie wollen so viel meiner Energie wie sie kriegen können. Ich werden sie ihnen nicht geben, und ich werde sie auch nicht dem Präsidenten, oder diesem und jenem Politiker geben.“ Über dieses Zeug die ganze Zeit nachzudenken ist eine Zeitverschwendung.

Frage: Aber sollten wir nicht schläfrig sein wenn wir meditieren?

Antwort: Absolut, Man sollte nur meditieren wenn man sich schläfrig fühlt. Aber es ist ein Unterschied zwischen sich physisch etwas schläfrig zu fühlen und einen erschöpften Verstand zu haben. Denn wenn der Verstand und das Herz erschöpft sind, werden wir einschlafen.

Frage: Bringt es irgendwelche Hilfe, oder Wegweisung, Führung, anzusehen was in uns vorgeht, was passiert?

Antwort: Absolut, es ist nur eine Frage wie und wann man hinsieht. Perfektes Shamatha bedeutet nicht, dass da eine Abwesenheit von Gedanken oder Gefühlen ist, es bedeutet, dass die Aufmerksamkeit perfekt konzentriert ist. Gedanken können immer noch auftreten.

“Wenn Gedanken auftreten, bleibe darin präsent, und wenn keine Gedanken auftreten, bleibe darin ebenso präsent.“

Der Punkt ist nicht ob der Verstand Gedanken produziert oder nicht, der Punkt ist, sind wir in der Lage gleichmütig und Aufmerksam zu bleiben, egal was passiert? Das ist was Shamatha ist.

Erinnert euch an das Beispiel das wir gaben, von dem Boot das in dem Ozean umhergeworfen wird. Das sind wir. Der Ozean ist komplett chaotisch; das ist der Verstand. Wir sind dieser Funke, dieses Bewusstsein, diese 3% die umhergeworfen werden. Wir müssen lernen uns an dem Mast festzuhalten, dem Zentrum des Bootes. Das ist die Konzentrationspraxis. Lasst nicht los. Wir müssen uns an ihm festhalten. Am Anfang vergessen wir es. Also werden wir umhergeworfen, fallen in den Ozean und werden verletzt. Wenn wir etwas weiter gehen, Ebenen 3, 4 und 5, erinnern wir uns nie loszulassen. Der Verstand bewegt sich immer noch, es ist immer noch Aktivität da, aber wir gehen nicht mit dem Verstand mit. Wenn wir Shamatha auf Stufe 9 erreichen, können wir den Mast loslassen, denn egal was das Boot macht, oder der Ozean macht, wir können fliegen, wir sind unabhängig davon. Dieser Grad der Konzentration ist nicht von einer bestimmten Praxis abhängig, er braucht den Mast nicht mehr, er ist spontan. Tatsächlich ist das auf einer tieferen Ebene eine der Bedeutungen von dem über das Wasser gehen von Jesus: Perfekte Meisterung des Verstandes. Der Verstand konnte ihn nicht berühren. Er hatte das, perfektes Shamatha, nichts konnte ihn ablenken. Nichts könnte sein Equilibrium erschüttern, und das ist nicht von einer Praxis oder einem Konzept abhängig, es ist spontane, pure Aufmerksamkeit.

Um das zu erreichen, muss man perfekte Bewusstheit dessen was innerlich passiert haben. Allerdings, bis wir eine gewisse Stabilität der Aufmerksamkeit entwickelt haben, wäre nach innen zu sehen vielleicht so als würde man von dem Boot in den Ozean springen. Zuerst, lernt euch an dem Objekt der Mediation festzuhalten, bis ihr nicht länger vergesst dass ihr meditiert. Dann werdet ihr lernen euch innerlich umzusehen.

Frage: Es klingt als wäre es mehr als würde man diese chaotische Bewegung nehmen und sie gut organisiert machen.

Antwort: Nein, nicht genau. Es ist, sich nicht zu kümmern ob da Bewegung ist oder nicht, es ist zu lernen das Leben zu sehen wie es ist, ohne Qualifikation, ohne zu sagen es ist gut oder es ist schlecht. Es ist nicht damit beschäftigt zu sein ob da Gedanken sind, oder keine Gedanken. Nicht damit beschäftigt zu sein ob man reich oder arm ist, das ist alles.

In Wirklichkeit ist es so, dass man wen man sich darum sorgt ob man einen stillen Verstand hat, abgelenkt ist, man denkt, man meditiert nicht.

Wenn man beobachtet, wenn man observiert, wenn man konzentriert und aufmerksam ist, dann meditiert man. Aber wenn man drüber nachdenkt, tut man es nicht.

Konzentration ist der Akt der Observation.

“Wenn Gedanken auftauchen, bleiben präsent in diesem Zustand; Wenn keine Gedanken auftauchen, bliebe Präsent in diesem Zustand. Es gibt keinen Unterschied in der Präsenz in diesem oder jenem Zustand.“ -Garab Dorje, Dzogchen Meister

Frage: Ich vergesse immer während des Tages aufmerksam zu sein.

Antwort: Nimm etwas dem du Aufmerksamkeit schenken kannst das dich nie verlässt, wie dein Atem. Du kannst auch einen Alarm verwenden um dich zu erinnern. Stelle ihn auf jede Stunde oder halbe Stunde. Aber lasse dich nicht in mechanische Observation fallen; nach einer Weile kann diese Praxis eine weitere mechanische Gewohnheit werden. Nichtsdestotrotz, es kann dir helfen mehr Kontiunität zu entwickeln, solange du es bewusst machst.

Frage: Kann ich das die ganze Zeit machen?

Antwort: Immer. Und das hilft dir dich für einige der tiefere Ebenen der Konzentration vorzubereiten. Lasst mich erklären wie. Wenn ihr lernt dem Atmen Aufmerksamkeit zu schenken, was eine Praxis ist die Annapana genannt wird, dann hilft diese Praxis euch zu lernen eure Aufmerksamkeit auf etwas zu fokussieren das nicht konzeptuell ist. Es ist kein Bild, es ist kein Gedanke, es ist eine Sensation. Also wenn ihr euch auf die Idee des Atmens fokussiert, tut ihr es nicht. Wenn ihr euch auf die Sensation des Atmens fokussiert, dann könnt ihr diese Praxis betreten. Das ist die fundamentalste Praxis in jeglicher Schule, zu lernen dem Atmen Aufmerksamkeit zu schenken. Ich bin mir sicher, dass jeder schon davon gehört hat. Aber die Macht die diese Praxis hat ist extrem tiefgehend. Wenn ihr lernt zu aller Zeit eurem Atmen Aufmerksamkeit zu schenken, werdet ihr lernen zu meditieren. Was ihr lernen werdet ist euch eurem Atmen bewusst zu sein während ihr andere Dinge tut. Wenn ihr beginnt euch für diese tieferen Ebenen vorzubereiten, werdet ihr eine Sache observieren, und einer anderen Aufmerksamkeit schenken. Ihr atmet, und ihr habt eine Konversation, oder ihr atmet und geht, ihr beobachtet den Atem und macht diese anderen Dinge.

Es ist die gleiche Sache wenn ihr meditiert, ihr observiert eure Visualisierung, aber ihr observiert auch wie ihr sie observiert. Den Atem zu observieren hat also tiefe Implikationen.

Das gesagt, es kann allerdings auch zu einem Hindernis werden, und ich werde erklären wie. Manche Schüler werden so gewohnt sich auf ihren Atem zu konzentrieren, dass sie ihn nie loslassen. Und das wird zu einem Hindernis wenn sie versuchen Shamatha und Vipassana gemeinsam zu vertiefen. Um wirklich zu begreifen wer wir sind, müssen wir lernen zu meditieren, aber beginnen all diese Ebenen zu transzendieren bis wir zu höheren Arten der Wahrnehmung aufsteigen. Was das bedeutet ist das; wenn ihr auf das Observieren eures Atems angehaftet werdet, observiert ihr eine physische Sensation, und darum wird dieser Meditierende, wenn er beginnt sich hinzusetzen um zu meditieren, den Atem observieren; wenn diese Person tiefer in ihrer Meditation gehen will, wird sie oft diese Gewohnheit oder dieses Konzept haben, dass sie kontinuierlich ihren Atem observieren muss. Und dann wird des zu einem Hindernis; um eine tiefere Meditation zu haben, muss man den physischen Körper gänzlich verlassen. Man muss ihn total vergessen. Und wenn man den Atem observiert, verlässt man nicht den Körper. Annapana kann eine Anhaftung an der physischen Körper werden. Also hier kann es zu einem Hindernis werden, etwas auch das wir achten müssen. Das gleiche gilt für andere Übungen, sie können einem auf diese Weise Grenzen setzen.

Wöchentliche Praxis

Bereite dich vor zu meditieren indem du deine drei Gehirne auf die zuvor beschriebene Art entspannst.

Vokalisiere den Vokal O für fünf bis zehn Minuten, während du eine warme Flamme in deinem Herzen visualisierst. Mache die Bilder real; genieße die Visualisierung, aber bleibe fokussiert auf dein Herz und das Geräusch.

Nun vokalisiere den Vokal I, während du dir ein Ansammeln von Energie in deiner Stirn, zwischen dienen Augenbrauen vorstellst. Mach das für fünf bis zehn Minuten.

Nun stelle dir einen Apfel vor. Fixiere deine Konzentration auf dein Bild und bleibe fokussiert. Wandere nicht. Stelle dir all die Details des Apfels vor: Die Farbe, die Oberfläche, die Samen, die Form, drehe ihn herum, bewege ihn wenn du willst, aber erlaube dir nicht zu irgendetwas anderem abzuwandern. Bleibe für etwa zehn Minuten auf diese Visualisierung fokussiert. Bemerke wie dein Verstand dazwischen kommen wollen wird, den Apfel verändern will, ihn besser machen will, oder der Verstand wird andere Elemente aufbringen um dich abzulenken.

Sei konsistent. Mache diese Praxis jeden Tag, für mindestens eine Woche.


Dieser Vortrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Die Originalversion ist hier zu finden.

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